Ein älterer Beitrag zu einem latenten Problem: Dichtestress und Lösungsansatz
Wir erleben Dichtestress vor allem im Verkehr bei den Stosszeiten. Die Strassen sind verstopft, die Züge sind voll. Dazu kommt, dass der Wohnraum knapp wird und die verbleibenden freien Flächen verbaut werden. Private Wohnhäuser müssen immer weiter an die Peripherie, weil die Städte Platz für neue Bürohäuser brauchen. Dadurch steigt der Pendlerverkehr. Um das Problem mit den Stosszeiten abzumildern, wird versucht, die Strassen und Bahnlinien zwischen Städten und Peripherie zu erweitern. Dabei geht weiterer Bauraum verloren, die Peripherie dehnt sich weiter nach aussen aus, und die Spirale dreht immer weiter.
Dagegen würde folgender Lösungsansatz helfen: das «Hybride home office».
1. Eine Präsenz im Büro ist nur zwischen 11:00 und 15:00 obligatorisch (je nach Bedarf pro Firma festzulegen). Darin ist eine Mittagspause von 30 bis 60 Min frei wählbar. In diesen 3 bis 3,5 h können Sitzungen, Besprechungen mit Kollegen/innen, etc. abgehalten werden. Es ist die «Kommunikationszeit». In dieser Zeit sollen Grossraumbüros und Sitzungszimmer benützt werden. Kurze Sitzungen: 11:00 bis 12:00 oder 14:00 bis 15:00, mittlere von 11:00 bis 13:00 oder 13:00 bis 15:00, lange von 11:00 bis 15:00, mit Pause.
2. Die übrigen 4h können individuell vor 11:00 oder nach 15:00 geleistet werden, primär im home office oder in kleineren Büros. Dies ist die «Bearbeitungszeit», um die eigenen Dossiers, Projekte, etc. in Ruhe abzuarbeiten. Die kleinen Büros sollen in «office sharing» betrieben werden. Alle Dokumente sind digital vorhanden, keine Büroschränke, PCs werden mit Passwort von mehreren Usern benützt.
3. Standardmässig gibt es eine Frühschicht von 7:00 bis 11:00 und eine Spätschicht von 15:00 bis 19:00. Aber dies kann flexibel gehandhabt werden. Total gibt es ca. 3.5h Kommunikationszeit und ca. 4h Bearbeitungszeit. Damit man auf 40h pro Woche kommt, sind individuell ca. 2.5h pro Woche zusätzlich einzuplanen. Dies erlaubt es, den Arbeitsumfang den Anforderungen anzupassen. Ungenutzte Freistunden können auch mit Ferien verrechnet werden, ebenso allfällige Überstunden.
Vorteile:
1. Der Verkehr konzentriert sich nicht auf die Stosszeiten zwischen 7:30 und 8:30, bzw. 17:00 und 18:00. In diesen Zeiten bleibt ein grosser Anteil an übrigem Werksverkehr. Aber die Bürolisten fahren z.T. schon zwischen 6:00 und 7:00, andere erst zwischen 10:00 und 11:00 ins Büro. Zurück fahren einige zwischen 15:00 und 16:00 und andere erst zwischen 19:00 und 20:00. Der Pendlerverkehr ist auf die Zeit von 6:00 bis 11:00 und 15:00 bis 20:00 ausgedehnt.
2. Die Angestellten können je nach ihren Bedürfnissen eher die Frühschicht oder die Spätschicht wählen. Dies ist auch für Familien mit kleinen Kindern von Vorteil. Wenn möglich können sie die Bearbeitungszeit auch im home-office erledigen. Aber eine geregelte Büropräsenz für alle von 11:00 bis 15:00 ermöglicht eine ausreichende Kommunikationszeit innerhalb des eigenen Standorts. Für die Kommunikation mit anderen Standorten und Zeitzonen (Asien, Amerika) wird ohnehin mit Videokonferenzen gearbeitet.
3. Durch die Gestaltung der Kommunikationszeit in Grossraumbüros und Sitzungszimmern, sowie den Kleinraumbüros mit Office-sharing kann Büroplatz eingespart werden. Es braucht weniger neue Bürohäuser, es bleibt mehr Raum für Wohnhäuser innerhalb der Städte. Dadurch reduziert sich auch der Pendlerverkehr in die und von der Peripherie. Die vorhanden Strassen und Bahnlinien müssen nicht ausgebaut werden.
Und vor allem: wir empfinden weniger Dichtestress!
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